Günter Morsbach

Ich glaube, an dieser Stelle wäre es gut, ein bisschen über mich zu erzählen. 


Ich bin in der dritten Lebenshälfte angelangt. Als roter Faden zog sich durch mein Leben und damit auch durch das Buch „Kleingeld, Kies und Dachstuhlbrand“ mein Sinn für die lustigen Seiten des Lebens. Gerade habe ich mal einen Blick in meine Grundschulzeugnisse geworfen. In der 2. Klasse schrieb meine damalige Klasslehrerin, Fräulein Else Goos: „Der aufgeweckte Junge ist aber (trotz guter Noten) zu redseelig und unruhig, besitzt zu viel Humor.“ Gut beobachtet!

 

 

Jetzt zu meinem Berufsleben: Ich habe in dem großen Druckereibetrieb Maul & Co - heute Prinovis - in Nürnberg eine kaufmännische Lehre gemacht. Das war gut, aber der Gag dabei war, dass dem Betrieb eine der damals größten Werbeagenturen mit fast 100 Angestellten angeschlossen war. 


Dazu gehörten ein Grafikatelier und drei Fotostudios. Die dortige – so empfand ich das -  Bohème-Atmosphäre hatte es mir angetan, diese Mischung aus Leistungsdruck und kreativem Spinnen, dazu der Geruch von Kaffee, Zigaretten und dem Parfum der Models. Während der Katalogsaison für die großen Versender waren dort permanent Überstunden und Wochenendarbeit angesagt. Ich meldete mich immer freiwillig und freute mich diebisch, wenn ich zum Saum abstecken bei den Models abkommandiert wurde.


Die Damen nannte man damals noch Mannequins und ab und zu durfte ich sie vom Flughafen mit dem Auto abholen. Manchmal hatte ich auch das Glück, die jungen Ladies abends ins Hotel  fahren zu dürfen und später mit in die Discothek zu nehmen. Da machte mancher Freund große Augen. Mit dem Chef-Fotographen Rudi Drummer war ich übrigens noch viele Jahre nach meiner Lehrzeit gut befreundet. Auf die Ausbildung folgten Auslands-Praktika, wieder eine tolle Zeit. Mein Vater war in der Nachkriegszeit Inhaber einer Verpackungsdruckerei in Nürnberg geworden und hat mich später zu sich in die Firma geholt. Dort baute ich den Export nach Frankreich auf, mit Schwerpunkt Brauereien. Nach seinem plötzlichen Tod war ich per Testament zu seinem Nachfolger bestimmt worden. Leider habe ich es nicht geschafft, die Firma zu sanieren. Manche sagen, mir habe die unerlässliche Härte gefehlt, wird wohl stimmen. In einer schwierigen Phase ging jedenfalls das Vertrauen der Banken in das Unternehmen verloren. Als man meine volle persönliche Haftung für die eingeräumten Kredite verlangte, musste ich leider das berühmte Handtuch werfen. Der Betrieb wechselte dann den Eigentümer.


Zurück kam die alte Sehnsucht nach dem Flair der Werbung. Als kurz darauf der Eiserne Vorhang fiel, machte ich mich in die Nürnberger Partnerstadt Gera auf und erlebte dort den Wandel. Der damals stellvertretende Bürgermeister nahm mich bei einer Veranstaltung zur Seite und meinte, dass in Gera eine Filiale der SED-eignen Werbefirma DEWAG sei, die sehr gute junge Leute beschäftige. Das stimmte, ich sah mir den Laden an und er reizte mich. Ich bot den geforderten Preis einschließlich Übernahme der 25 Mitarbeiter und bekam die Zustimmung vom damaligen SED/PDS-Spitzenfunktionär Gregor Gysi. Übrigens damals noch per Telex.


Dann startete im Osten ein Werbeboom. Ehemalige Kombinatsbetriebe spalteten sich ab und starteten unter neuem Logo und neuem Namen. Firmengründer hatten Hochkonjunktur und alle suchten Werbekonzepte. Der Werbespirit war bei mir wieder da, auch wenn in Gera nicht die große Welt stattfand und erst einmal harte Arbeit statt dem Duft der Models wartete. Es war eine spannende und mit interessanten Begegnungen gespickte Zeit. 10 Jahre lang hatten wir beispielsweise den Auftrag, für die Wirtschaftsregion Thüringen-Ost den jährlichen Investorenkongreß zu veranstalten, immer ein Highlight für die lokalen Politpromis, das Publikum und uns. 


Parallel zu meiner geschäftlichen Tätigkeit war ich ehrenamtlich viele Jahre im Präsidium der Wirtschaftsverband DIE JUNGEN UNTERNEHMER ASU und später DIE FAMILIENUNTERNEHMER ASU aktiv, mehrere Jahre als Vizepräsident. In dieser Zeit knüpfte ich viele persönliche Kontakte, die noch heute bestehen und auf die ich stolz bin. Manche Präsidiumskollegen von damals haben auch für dieses Buch geschrieben.Besonders gerne erinner ich mich an den Besuch in der Downing Street 10 bei Premierministerin Thatcher.


Nach mehr als einem Jahrzehnt ließ der Werbeboom nach und ich übertrug die Aufträge teils an meine inzwischen in Nürnberg gegründete Agentur oder an lokale Kooperationspartner in Gera. In den 80-ern entstand überall ein Markt speziell für Eventagenturen. So entwickelten und organisierten wir durch die Agentur in Nürnberg Stadtveranstaltungen wie den Internationalen Kindertag der UNO, den Lebkuchenmarkt, verkaufsoffene Sonntage, Weihnachtsaktionen und Mittelalterfeste. Auftraggeber war der Stadtmarketingverein „Erlebnis Nürnberg“, den ich mit aufgebaut habe. Es war auch hier  eine wunderbare Zusammenarbeit. Nach Vertragsablauf hat der Verein dann die Events in Eigenregie übertragen bekommen. Aber. In dieser Zeit habe ich unverbrüchliche Freundschaften geschlossen und erhalten, zum Bewispiel mit dem großartigen Homer Simpson.


Schon seit vielen Jahren war ich zu 80% an einem Verlag in Hamburg beteiligt, der Zeitschriften zu den Themen Schwangerschaft & Babys sowie Deutschlands führende Kindergarten-Illustrierte KiNDER herausgab. Alle Hefte waren durch Werbeeinnahmen finanziert. Als Ergänzung erwarb ich noch einen Verlag in der Gesundheitsbranche und zu 50% einen Zeitschriftenverlag in Köln, der mit dem Magazin LUNA Marktführer im Bereich Kindermode war. 2013, einige Jahre später war ich dann müde - heute würde man es Burnout nennen - und verkaufte die Verlage in Hamburg und Köln. In der verbliebenen Nürnberger Verlagsfirma gebe ich heute meine Onlinezeitung „Reitender Bote – die kürzeste Wochenzeitung der Welt“ heraus. 


Zusammen mit meinem Sohn Johannes, der bis vor kurzem Medienwissenschaften studierte, entwickelte ich die Idee, eine Internetzeitung zu gründen, Hierfür wollte ich meine politischen Kontakte aus der Verbandszeit und mein Fachwissen nutzen. Ich war immer ein politisch interessierter Mensch. Seit meinem 14. Lebensjahr habe ich z.B. keine Ausgabe des SPIEGEL ausgelassen. Unsere Zeitung hat die Aufgabe, tagespolitische Ereignisse im Sinne unserer Redaktionsgrundsätze augenzwinkernd zu kommentieren, Wir fühlen uns Ludwig Erhards „Wohlstand für alle“ und Rosa Luxemburgs „Freiheit ist die Freiheit der anderen“ verpflichtet. So entstand der „Reitende Bote – die kürzeste Wochenzeitung der Welt“, immer Freitag früh per Email und nur eine Seite A4 lang. Alles kurz und bündig. Der Bezug ist kostenlos, einfach auf www.reitender-bote.de klicken. Als die Bundestagswahlen Ende 2012 weder eine schwarz-gelbe Koalition möglich machten und die Linkskoalition von der SPD nicht gewünscht war, begannen die Verhandlungen über die Große Koalition. Damals ging der Satz des „Reitenden Boten“ durchs Netz: „Wenn die Einen nicht können, wie sie wollen und die Anderen nicht wollen, wie sie könnten, dann gibt es eine Große Koalition“.


Ja, es waren nicht immer die direkten Wege in meiner Unternehmer-Laufbahn, aber frei nach Frank Sinatra war es immer „My Way“. Und zur Entspannung zwischendurch tut mal ein Gläschen Champagner gut. Deshalb meine Pilgertour zum Kloster des legendären Mönchs Dom Perignon.